Pilot Projekt Global-Native / Nuovo Walser 2014/15 in nord Italien

Konzeptpapier & Copyright by: Ursus Schwarz, dipl.Landwirt / Demeter-Lehrmeister & Soziale Kunst

 

Parco per Natura e Cultura in Montagna

 Im Val Veddasca

Val Veddasca liegt an der Ostküste des Lago Maggiore, ist ein Tal der Provinz Varese, Italien und des Kantons Tessin, Schweiz; es beginnt hinter Macaccno-Dumenza nahe des Monte Lema und Monte Tamaro, sowie Indemini – CH

Die Ziele und Motive dieses Pilotprojekts für Park für Natur und Bergkultur in Stichworten sind folgende:

 

– AUFBAU NEUER NACHHALTIGER ARBEITSPLÄTZE UND EINKOMMENSMÖGLICKEITEN FÜR JUNGE & ÄLTERE MENSCHEN

– AGROTURISMUS, DIVERSIFIZIERUNG UND VERLÄNGERUNG DER SAISON.

– NEUE ANGEBOTE WIE: NATUR-PÄDAGOGIK, SOZIALTHERAPIE, NATUR-WELLNESS UND WEITERE EINKOMMENS-MÖGLICHKEITEN, DIE UNSER NEUES BERGLAND KULTURPROJEKT ALS GRUNDLAGE HABEN

– REKULTIVIERUNG UND AUFBAU EINER NEUEN ART VON BERGBAUERNKULTUR. NUOVO WALSER METHODEN (EXTENSIVE NUTZUNG, BIOLOGISCHER ANBAU VON GEMÜSE, PERMAKULTUR) MIT GENOSSENSCHAFTLICHEM, GEMEINSCHAFTLICHEM UND VERNETZTEN ARBEITEN (SYNERGIEN NUTZEN)

– LANDSCHAFTS-,  FEUER- UND EROSIONSSCHUTZ

– LOKALE RECOURCEN BESSER NUTZEN ( WALD WEIDEN,  ALTE TERRASSEN UND GEBÄUDE,  DIE AM ZERFALLEN SIND )

 

 

Pilot Projekt Vorschlag für Communità Montagna & die Gemeinden der Region

Im Val Veddasca

Ort:

Das wildromantische Val Veddasca, ausgehend von Maccagno am Lago Maggiore in Italien bis nach Indemini, Schweiz  und Monte Tamaro und Monte Lema, hat ein phantastisches Potential, das jetzt noch nicht wirklich erschlossen ist. Dieses Südalpine Erlebnisland ist ein geradezu idealer Ort für ein Pilotprojekt für einen Natur und neue Berg-Kultur Park, weil es hier auf relativ kleinem Raum eine sehr vielseitige Landschaft gibt, die zu Fuss erwandert werden kann und  mit Pferde-trekking, Mountain-Bike, Hanggliding, aber auch mit dem ÖV und PW erschlossen ist. Das Gebiet ist aus den grossen Ballungszentren der Lombardei, Milano, Lugano, der Deutschschweiz und Deutschland gut erreichbar.

Entwickeln und Leben in neuen sozialen und ökologischen Lebensformen und Kulturen:

Dies ist die zugrundeliegende Motivation um verlassenes Land im Berggebiet wieder zu beleben.

Dazu gibt es in Italien, aber auch weltweit, eine wachsende Bewegung, die neue gemeinschaftliche, ökologische Lebensformen und Kulturen aufbauen. Gross ist das Interesse der Öffentlichkeit dafür, weil viele Menschen spüren, dass es eine Erneuerung von Grund auf  braucht.

(Links wie GEN Europe und Conacreis Italien . . . . beifügen )

Global-Native / Nuovo Walser ( GNW )  –  warum dieser Name ?

Diese Mutter Erde und Bergkultur liebenden Menschen nennen sich Global-Native / Nuovo Walser ( GNW ) in Anlehnung an die alte Walser Kultur und aus Respekt zu unserem Heimatplaneten Mutter Erde. Es braucht Vorbilder für dieses Bergprojekt und eine neue nachhaltige Kultur, Rekultivierung von verlassenem Bergland und für ökologische Gemeinschaften. Die Walser und viele eingeborene Kulturen erfüllen diese Vorbild- und Orientierungsaufgaben gut.

Wie bereits erwähnt bezweckt die Global-Native / Nuovo Walser ( GNW ) mit diesem Projekt, nebst der Rekultivierung, eine zukunftsweisende und nachhaltige Alp- und Bergkultur aufzubauen. Dies gemäss der Jahrhunderte alten Walser Tradition, auf friedliche Weise höher gelegene, nicht benützte Landflächen nachhaltig und schön zu kultivieren.

Warum ein Pilot-Projekt zusammen mit Communità Montagna ( CM )

Die Organisation Communità Montagna ( CM ) ist die staatliche Behörde in Italien, die für die Berggebiete zuständig ist. Wir möchten mit ihnen ( CM ) zusammen ein Pilotprojekt entwickeln, um so auf Genossenschaftlicher Ebene in den verlassenen Berggebieten neue Projekte aufzubauen, die eine nachhaltige Nutzung und Wirtschaftlichkeit ermöglichen  und arbeitslosen Jungen Menschen neue Perspektiven ermöglicht. Von beiden, arbeitslose Menschen und verlassenen Berggebiete gibt es in Italien und im übrigen Europa viel. Darum hoffen wir auf eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit mit CM und glauben, dass wir mit diesem Pilotprojekt und weiteren Nachfolgeprojekten für Italien, Spanien sowie für arbeitslose und interessierte Menschen und für die verlassenen Berggebiete einiges erreichen können, was schlussendlich auch der CM und ihrem Leistungsausweis zugute kommt.

Warum ein Pilot Projekt im Val Veddasca in

der Region Lago Maggiore It & CH.

Im gegenwärtigen schwierigen wirtschaftlichen Umfeld versuchen wir, dieses Pilotprojekt in einer Region zu starten, die gute Voraussetzungen aufweist. Dies ist in dieser Region gegeben unter anderem durch viel freie und verlassene Landflächen und durch viele touristische Angebote aber auch durch die Nähe zu Mailand, zur Schweiz und Deutschland aus denen Projektpartner und Klientel stammen.

Was sind Projekt- und Arbeitskriterien / Eigentums & Nutzungsregelung

Über diese Berg-Region verteilt gibt es viele verlassene Landflächen, Weiden, Mähwiesen, ehemalige Äcker, Terrassen, zum Teil noch offen,  z.T. schon überwaldet, die wir gerne für dieses Projekt genossenschaftlich nutzen möchten. Wir wollen aber das Land nur ausnahmsweise kaufen sondern es vor allem rekultivieren, um  langfristige Arbeits- und Lebensgrundlagen aufbauen zu können. Die dazugehörenden Häuser oder Ruinen können in der Regel weiterhin vom Eigentümer bewirtschaftet werden. Wir sind vor allem an der Rekultivierung der Landflächen interessiert. Wir glauben, dass wir dazu nicht Eigentümer der Landflächen sein müssen. Das Eigentum kann, wenn gewünscht, so verbleiben wie es ist oder auch an 3. weiterverkauft werden. Wir brauchen einfach das Einverständnis für das Landpflege- und Nutzungsrecht.  Ausnahme ist, wenn ein Eigentümer nachweislich Selbstbewirtschaftung machen will. Diese Lösung hat für alle Beteiligten grosse Vorteile und es ist nach unserer langjährigen Erfahrung der einzige Weg, wie wir die Berggebiete als Lebens- und Kulturraum rekultivieren und erhalten können. Dazu brauchen wir eine praktische Regelung, die in Zusammenarbeit mit CM erarbeitet werden soll.

Was ist die Arbeits-, Kultur- & Besiedlungstechnik, die Global-Native / Nuovo Walser ( GNW ) anwenden ?

Wir GNW setzen eine Kombination von neuen und auch traditionellen Methoden ein, die sich an der Ökologie, Natur, und der Notwendigkeit einer unabhängigen Eigenwirtschaftlichkeit orientieren. Dabei ist das oberste Kriterium ein Kulturdienst an der Natur/Mutter-Erde und den Menschen. Die GNW Aktivitäten sind nicht profitorientiert, sondern sollen einen nachhaltigen und sozialverträglichen Gewinn für Mensch, Natur/Mutter-Erde und auch für nachfolgende Generationen sein.

Praktisch erreichen wir dies mit der Anwendung des Entschleunigungs-Gedanken, der Permakultur, der Demeter Methoden und integrales Zusammenwirken mit den Naturwesen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch und Spirit). Praktisch setzen wir die Haus-Tiere z.B. so ein, dass sie möglichst naturnah leben können und haben dazu sogenannte Primitiv- oder Urrassen wie Islandpferde, Jaks, Schottische Hochland Rinder, entsprechende Schaf-, Ziegen-, Hühner- und Bienenrassen. Dadurch entsteht zwar weniger direkten Profit. Dafür sind die Kosten um ein Vielfaches tiefer und die Umwelt und Menschen gewinnen auf ganz neue und andere Art sehr viel.

Das sich dies für uns Global-Native / Nuovo Walser ( GNW ) finanziell trotzdem rechnet ist nur möglich, indem wir diese Land-Kulturarbeit mit Pädagogischer, Sozialer und Therapeutischer Arbeit und Dienstleistungen kombinieren. Diese Synergien haben sich z.B. in der Sozialtherapie und Naturpädagogik bereits schon seit vielen Jahren sehr bewährt. Mit andern Worten, unsere einfache und natürliche, ganzheitliche Lebensweise ist ein wunderbarer Ort für pädagogische, soziale und therapeutische Arbeit und Dienstleistungen. Diese Dienstleistungen, Landschafts- und Kulturpflege sowie die pädagogische, soziale und therapeutische Arbeit, die wir zusammen mit der Natur und Mutter Erde entwickeln und anbieten kommt nebst uns selber und unseren schutzbefohlenen Klienten auch den Landeigentümern und der Gesellschaft als Ganzes zu gute.

Wir erhoffen und erwarten, dass gerade in unsern Dienstleistungsangeboten eine entsprechend faire Bezahlung von den Menschen, die dazu in den Genuss kommen, respektive der Gesellschaft, zu uns zurückkommt.

Ein weiterer Faktor, dass uns diese relativ kostengünstige Variante möglich ist, ist nebst dem, das wir als Genossenschaftlicher Betrieb arbeiten und Landeigentum nur ausnahmsweise kaufen (wenn wir dafür Sponsoren finden), also verlassenes Land pflegen, darauf leben und arbeiten. Dazu kommt, dass wir in Mongolischen oder Kirgisischen Jurten oder ähnlichen lowcost und impact Behausungen leben. Ein Teil unserer neuen Lebenskultur ist nomadisch mit Tal, Monti – Voralp und Alp – Hochalp, deshalb Jurten etc. Und deshalb auch unser Pferde und Ponys, mit denen diese wenn nötig (wenn es keine Strassen gibt) von Ort zu Ort transportiert werden können.

 

Ausnahme-Bewilligung für Jurten, Feuerstellen, Kompostkloo & Waldstandplätze

Gerade für diese Art von Behausung , was die Kosten enorm senkt, brauchen wir GNW von den Behörden CM eine Ausnahme-Bewilligung, um diese an den verschieden Plätzen errichten zu können. Denn oft ist es sinnvoll, diese im Schatten oder Halbschatten von Bäumen zu errichten .

BEILAGEN:

ÜBERSICHTS-KARTE VAL VEDDASCA , FOTOS VON KÜCHENZELT, LAGERZELTEN AUS PRA BERNARDO SOWIE FOTOS VON JURTEN UND FEUERSTELLEN UND VOM GNW CAMP 2014

 

 

Der Initiant:

Ursus Schwarz, dipl. Landwirt / Langjähriger Bio-Bergbauer und Demeter-Lehrmeister . Er betreibt in diesem Zusammenhang auch Soziale Kunst für die Entwicklung neuer Ökologischer Lebensformen und Kulturen. Begründer von verschiedenen Gemeinschaftsprojekten wie: Bärglütli und der Genossenschaft Neu Walser Bund und GNW,  Autor von den 2 Büchern: „Global Native 1 Theori und Global Native 2 Praxis, sowie dem Musical Europa, welche Zukunft.

 

Wie es sein könnte . . . ein Ausschnitt aus dem Buch Global Native 2 Praxis S. 83

Wir kamen dann gerade mal eine Viertelstunde später auf der Kuhalp an, als unsere Wandergruppe, die gemütlich im kunstvoll gebauten Windschatten vor der Alphütte um einen großen, runden Tisch saßen und Käsemilch tranken, die die  Sennerin  offerierte und dazu ernährungstechnische Hinweise zum Besten gab. Früher hätte man den Wanderern immer frische Vollmilch angeboten, doch die sei ja hier oben so reich und fett, dass man davon gar nicht so viel trinken könne, wie der Körper eigentlich Flüssigkeit brauche und zudem kann diese Vollmilch je nach Magen dann auch etwas schwerer in demselben liegen, was ja beim baldigen Weiterwandern nicht unbedingt optimal sei. So hätte man dann eines Tages wieder entdeckt, was die Alten und gewisse Filmstars, wie Sophia Loren schon lange wussten. Käse-Milch zu trinken ist sehr gesund und wenn man darin badet, macht sie auch noch schön. Für Wanderer sei sie geradezu ideal, weil sie viele Mineralien enthält, die beim Laufen ausgeschwitzt werden, wieder ersetzt werden müssen, damit wir fit bleiben. Und dann noch die leichte Dosis Milchzucker, der ebenfalls in der Käsemilch enthalten ist und in dieser Form vom Körper sofort aufgenommen werden kann, ohne dabei die üblichen und schädlichen Nebenwirkungen vom gewöhnlichen Zucker zu haben. Die Sennerin entschuldigte sich, dass sie uns nicht all die verschieden Frisch- und Hartkäse-Sorten, die sie in verschiedenen Ausführungen aus Yak-, Büffel-, Kuh-, Ziegen- und Schafmilch herstellen, zum Probieren anbieten könne. „Wir haben dafür zu viele Besucher und zu wenig Käse.“, sagte sie. Ich fand diese Vielfalt  sehr erstaunlich und wollte wissen, wie es dazu kam und was dahinter steckt……

„Ja, manchmal gibt es auch noch Stutenmilch, doch auch davon zu wenig, um sie hier den Wandergruppen anbieten zu können.  Das Geheimnis liegt vermutlich im Bewusstsein der Global Natives“, sagte die Sennerin stolz. Was soviel heißt, als dass sie hier die alte alpine Bergkultur noch einmal neu erfunden haben. Die Sennerin erzählte weiter :

„Es wurde viel vom traditionellen und bewährten Wissen übernommen, aber auf die auf reine Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Dogmen der industriellen Landwirtschaft haben wir verzichtet. Doch dieser wirtschaftliche Druck, der logischerweise bis in die hintersten Alp-Täler kam, führte in den letzten 100 Jahren zur totalen Zerstörung der alten Bergkulturen. Früher wurden hier ca. 80 Kühe gesömmert. Heute geht das nicht mehr.

Wir machen das anders : Weil wir mit unseren Tieren  im Winter nicht bis in die tiefen Lagen vom Unterland  gehen können, haben wir nur noch 2 Kühe einer alten Extensivrasse.  Die selbe Rasse, Rätisches Grauvieh, die auch noch von anderen Bergbauern weiter vorne im Tal gehalten werden  damit es sich lohnt, einen gemeinsamen Stier zu halten, so dass die Kühe jedes Jahr Kälber bekommen. Diese zwei Kühe helfen vor allem den Frischmilchbedarf auf dem Camp zu decken und bleiben dort unten auf der Weide.  Doch hier auf der Alp haben wir an Stelle der 80 Kühe 70 Yaks und 5 Wasserbüffel, 30 Milchschafe und 40 Ziegen. Das gehört zu unserem Little-Tibet-Konzept, das ihr im Detail vielleicht am besten in den Informationsunterlagen nachlest, die an den verschiedenen Plätzen ausliegen. Denn die Zeit wird nicht ausreichen, euch das alles zu erklären. Ihr wollt ja noch weiter auf die Hochalp.  Nur soviel : Wir überwintern ja alle Tiere hier in unserem Hochtal und die Yaks,  die ja ursprünglich aus Tibet und der Mongolei stammen und unserem Urrind und dem Wisent noch am nächsten sind,  sind eben fähig, den ganzen Winter über hier draußen sich selber zu versorgen, ohne dass wir sie zufüttern müssen.  Ebenso die Ponys, die Schafe und Ziegen. Allerdings schicken wir die Schafe und Ziegen den Winter über in tiefere Lagen, wo sie sich vor allem von Kastanien aus dem Wald und vom Knabbern an Knospen und Rinden ernähren. Sie helfen so auch noch mit, dass nicht alle offenen Wiesen und Weideflächen wieder  mit Büschen und Bäumen zuwachsen. Wenn man aber zu viele Ziegen und Schafe auf einem Fleck hat, dann machen sie Schaden…, es ist auch hier immer eine Frage des Gleichgewichtes . Für unsere natürliche Wirtschaft ist das eben so wichtig und langsam entwickeln wir eine neue ganzheitliche Bergkultur, bei der vieles noch mal neu erfunden oder zusammengestellt wird . Auch das Soziale, die Gemeinschaft oder der „Stamm“.

Allerdings können wir davon nicht unsere vielen Gäste mit Lebensmitteln versorgen, sondern es reicht eben gerade mal knapp für unsere Selbstversorgung  mit  Grundnahrungsmitteln. Das hat euch vielleicht schon mal jemand anders erklärt.

Aber leider ist es auch nicht mehr möglich, wie früher aus dem Unterland Alp- Sömmerungs – Kühe zu bekommen, das eben auch wegen dem wirtschaftlichen Druck, der auf den Bauern lastet.“

Die Zeit reichte nun gerade noch für einen kurzen Rundgang um die Alp-Gebäude und einen Blick in die Hütten, bevor die Wandergruppe wieder aufbrechen musste. Es gab 3 Gebäude, die alle im hiesigen traditionellen Granit-Bruchstein-Baustil, vermutlich vor 150 -200 Jahren, auf noch älteren Ruinen gebaut wurden. Die Käserei mit Küche und Alphütte, wo früher auch drinnen gewohnt und geschlafen wurde, ein Nebengebäude, das als Milch-Käse-Keller und Lebensmittel-Vorratsraum diente und schon von alters her so in den Berg gebaut wurde, dass es auch im Hochsommer  kühl darin blieb. Weiter hinten, in halber Höhe an der Bergwand, sprudelte eine  kleine Quelle zwischen den Steinen  hervor. Ihr Wasser wurde durch einen aus einem dicken Holzast geschnitzten Kanal entlang der Seitenwand geleitet, hinein in einen alten Granitstein-Trog, der als Kühlbecken diente und aus dem das Wasser dann weiterlief in ein Waschbecken, von dort zum Boden und dann aus der Wand hinaus ins Freie.

Der lange Stall, in dem früher die 80 Kühe angebunden und gemolken wurden und wo sie Schutz fanden, war komplett umgebaut zu einer Gruppen-Unterkunft, die für Schulklassen und für das Projekt „Wildnisschule auf der Alp“ genutzt wurde, das immer ausgebucht war . Auch hier wurde durch bauliche Maßnahmen viel mehr Licht in die ehemals dunklen Räume gebracht.

Die Familie der Sennerin, die für die Yaks und Wasserbüffel  zuständig war und die Verantwortung für die Alp mit dem Ziegen- und  Schafhirten teilte, lebte in Jurten die in der Nähe der Alphütte für den Sommer aufgebaut waren. Was weiter speziell an dieser Alp war, dass es vor den Hütten unten in geschützter Lage einen Salat- und Kraut-Garten hatte, wo, zum Teil unter kleinen Folienzelten geschützt, Salate wuchsen, ergänzt mit Radieschen, Frühlingszwiebel , Spinat, Kresse und essbaren Blumen wie Calendula.

Der Garten war auf dem Boden angelegt, wo früher sich meist das Vieh hingelegt hatte und dabei eben über einen Zeitraum von 200 oder mehr Jahren den Kuhmist liegen ließ, welcher sich in inzwischen in eine tiefschwarze Erde und somit in ein Fruchtbarkeits-Biotop verwandelt hatte  Doch wo dann zuerst wegen der Überdüngung eine Menge Plagenkraut wuchs. Während der Umstellung zum Garten musste mühsam jede der Tausenden von Plagen-Pflanzen mit ihren tiefen und starken Wurzeln ausgegraben werden. Diese wurden dann aber nicht einfach weggeschmissen, sondern die Wurzeln gewaschen, getrocknet, gemahlen, dann geröstet und zu einem Kaffee-artigen Getränk verarbeitet. Aus den Blättern wurde ein Flüssigdünger für den Garten hergestellt. Jetzt war der ganze Garten mit einem traditionellen Holzzaun und zum Teil mit Steinmäuerchen umfriedet. „Einbruchsicher“ geschützt vor Ziegen, Schafen und Yaks, die sich natürlich nur zu gerne darin gelegentlich einige Leckerbissen geholt hätten, aber dabei für den Alpgärtner eine verheerende Zerstörung hinterlassen haben würden. Dieser und auch die anderen Berggärten der Global Natives waren wahre „Wunderwerke der Liebe“ und der biologisch-dynamischen Anbau-Kunst und des speziellen Permakultur- Designings . Der Windschutz, der hier sehr wichtig war, um ein gutes Mikroklima zu schaffen und der ein Teil des  Permakultur-Designings war, konnte zuerst mal nur mit zahlreichen Holzgeflecht-Wänden erreicht werden. An denen wachsen nun an gewissen Stellen kleine Lärchenbäumchen, die allerdings wegen der Höhenlage und ihrem langsamen Wachstum noch viele Jahre brauchen, bis sie eine wirksame Größe erreichen.

Dann war das ganze Alp-Gebäude-Anwesen  in einem Abstand von 30 –200 Meter umzäumt, so dass die Tiere nicht immer um die Hütten herum stehen konnten und die ganze Anlage dadurch ein gepflegtes Aussehen eines Natur- und Kulturparks bekam.

So konnte man die vielen Alpblumen genießen und wenn sie dann jeweils alle verblüht waren, wurde das Gras gemäht und zu duftenden Bergheu getrocknet.

 

Schutz-Unterstände für die Tiere, die diese vor starkem Regen und den heißen Stunden des Tages schützten,  waren natürlich außerhalb dieser Zonen um die Alphütten erstellt. Es waren Zirkuszelt-artige Planen, die jeweils über zwei große Baumstämme gespannt wurden. Und die jeweiligen Standorte waren so gewählt, dass sie vor den stärksten Winden geschützt waren. Orte, wo die Tiere gerne hinkommen und die auch geeignet waren, dass, wenn dann genügend Mist am Ort zusammen gekommen war, diese später in kleine Äcker  und Gärten umgewandelt werden konnten. Dies war schon  nach einer Sommer-Saison der Fall. Und so entstanden viele verschiedene Äcker und Gärten, die in einem 7-Jahre-Fruchtwechsel-Turnus immer wieder zu Standplätzen für die Tiere wurden.  Mit den drei verschiedenen Herden  entstanden so insgesamt 21 zusätzliche fruchtbare Gärten und Äcker. Ein weiterer Nutzen war, dass die Schutzplätze ja mit den Planen überdacht waren und so der Mist nicht vom Regenwasser ausgewaschen  und dem Intensive Sonnenlicht verbrannt wurde, sondern bis zum Abzug der Herden auch noch geschützt war. Bevor die Planen-Dächer im Herbst eingezogen wurden, wurde der Mist in die Erde eingearbeitet und mit organischem Mulch und einem wasserableitenden Kompostfies abgedeckt.  Im Frühling war dann jeweils fruchtbare Ackerfläche und Gartenerde vorhanden und das schaffte die Voraussetzung für sehr gute Erträge auch auf höheren Alplagen. Zudem war es  ein aktiver Beitrag zum Schutze der Wasserqualität und reduzierte auch die Treibhausgase, die sonst von dem Mist ausgehen.

Interessant war auch zu sehen, wie sie die „gut zu mähenden, schöneren Weiden ohne Steine“ benutzten. Da wurde gleich nach der Schneeschmelze und jeweils zur besten Konstellation, in die Wiesen Berggetreide je nach Lage Nacktgerste oder Roggen eingesät. Dies ohne den Boden zu pflügen dazu wurde eine speziell Methode verwendet die der Japaner Fukuoke als Erweiterung von der Permakultur entwickelt hat. Die Samen wurden in einem speziellen verfahren in kleine Lehmkügelchen verpackt und so waren sie geschützt vor Vogelfrass wenn sie ausgesät wurden. Anschliessend wuchs das Getreide mit dem Alpenheu zusammen hoch und wenn es reif wahr wurde es gemäht und dann gedroschen. Die Körner sind unser wertvolle Getreide Selbstversorgung, aber dann verlies die Dröschmaschine auch noch sehr wertvolle Heublumen die wir an Apotheken lieferten weil sie Begehrte Badezusätze ergeben. Die Alpenblumen Samen sind ebenfalls recht gesucht und das Heus Strohgemisch ist Winterfutter das wir in Tristen draussen traditionell aufschichteten und unser Tier im Winter sich dann selber holen. Auch an diesen Orten wurde dann der viele Mist im Frühjahr zu einem Hügelbeet entwickelt das uns wieder hervorragende Gemüse Ernten schenkt.

 

 

Inzwischen, nachdem wir uns alles betrachtet hatten, war es wieder einmal höchste Zeit geworden, weiter zu wandern. Die Leute konnten sich kaum trennen von diesem so harmonisch entwickelten und aufgebauten Platz. Er strahlte, wie die anderen Orte der Global Natives, so eine Kraft und erhabene Energie aus. Und es gab so viele interessante Sachen zu entdecken, die mit viel Liebe für’s Detail gemacht wurden. So war es kein Wunder, dass die Menschen sehr gerne hier zu Besuch waren und alles immer ausgebucht war…..

Lea rief nun die Leute zum Aufbruch zusammen und ich marschierte wieder an der Spitze der Gruppe los und sie machte das Schluss-Licht, wie zuvor. Der Weg schlängelte sich nun langsam den Berg hoch über die Weiden. Man merkte mehr und mehr die Höhe, denn die Bäume wurden immer seltener

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